Erklärung zu der Berichterstattung in Zeit "Adler und Tatze"

Der Pressesprecher des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Franz August Emde erklärt zu der Berichterstattung in Zeit „Adler und Tatze“, vom 17.4.2012: |Zur Meldung >>

Bewerbungsfristen verlängert

Ideenskizzen für den Förderpreis können bis zum 30.4.2012 eingereicht werden. |Zur Meldung >>

Start Ideenwettbewerb 2012

Am 1. Februar beginnt die Bewerbungsphase für den Deutschen Naturschutzpreis |Zur Meldung >>

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Die Preisträger 2011

Förderpreis "Tatort Wald", Wissenschaftsladen Bonn
Förderpreis für das Projekt "WildeWaldWelt.de", Freiburg
Förderpreis "Waldgenossenschaft Propsteierwald", Eschweiler
Dr. Georg Sperber erhält den Ehrenpreis für sein Lebenswerk

Kategorie Ehrenpreis

Film zur Preisverleihung 2011

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Förderpreis: Tatort Wald – 
Perspektivenwechsel durch Planspiele

Projektträger: Wissenschaftsladen Bonn e.V.

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Spielend Nutzungsinteressen im Wald begreifen

In halbtägigen Planspielen gehen Jugendliche im „Tatort“ Wald auf Spurensuche: Sie entdecken die Wälder direkt vor ihrer Haustür, lernen den Wald als Ort biologischer Vielfalt kennen und spielen aktuelle Nutzungskonflikte nach, auch um darin ihre eigene Position zu finden. Sie schlüpfen in die Rollen unterschiedlicher Interessengruppen am Lebensraum Wald. Und sie bereiten eine fiktive Bürgerversammlung vor, um Kompromisse und Lösungsansätze auszuhandeln. 

Auf dem Plan stehen hochaktuelle Themen wie Geocaching oder die Errichtung von Windkraftanlagen über Waldgebieten mit zum Teil politischer Relevanz. Um den einzelnen Rollen einen engen Realitätsbezug zu geben, werden die jeweiligen Positionen der Interessengruppen in der Vorbereitungsphase in Fachworkshops und Interviews mit Interessenvertretern ausgearbeitet und für die Jugendlichen aufbereitet.  

Naturschutz trifft Demokratie 

Spielend Konflikte lösen – die Jugendlichen setzen sich intensiv mit dem Lebensraum Wald und der Motivation unterschiedlicher Interessengruppen auseinander. Sie entdecken eine neue Perspektive auf die Bedeutung des Waldes und lernen zugleich eine gute Argumentationskultur und Kompromissfindung kennen.  

Planspiele sind eine zeitgemäße und zielgruppengerechte Methode, Konfliktthemen im Naturschutz aufzubereiten und eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Konflikten zu üben. Sie fördern dabei auch das Verständnis für Positionen des Naturschutzes und die Akzeptanz für Naturschutzmaßnahmen. Um die Jugendlichen im Planspiel in ihren Rollen zu begleiten und diskussionsfähig zu machen, werden Methoden der Waldpädagogik mit Partizipationselementen verschränkt.  

Natur macht Schule 

Durch das Augenmerk auf Schulklassen sollen insbesondere Jugendliche angesprochen werden, die bisher nur wenige Berührungspunkte mit dem Lebensraum Wald und seinen Schutzanliegen hatten. Die Planspiele sollen zudem zu verschiedenen Themen in verschiedenen Städten stattfinden. Auf diese Weise lernen die Jugendlichen den Wald in ihrer Region kennen.  

Stets sind lokale Vertreter des Naturschutzes beteiligt, um eine Übertragung der Spielerlebnisse in die Realität zu erleichtern. Ziel ist dabei auch, den Schülerinnen und Schülern Anknüpfungspunkte zu geben, sich für Naturschutz zu interessieren und zu engagieren.  

Um eine Fortsetzung auch über den eigentlichen Projektzeitraum hinaus zu ermöglichen, wird das Spielkonzept samt Materialien und Ablaufplan aufbereitet und kostenlos zur Verfügung gestellt. Gegen Ende sollen zudem Multiplikatoren geschult werden, um selbständig im eigenen Umfeld Planspiele zum Naturschutz im Wald moderieren zu können.  

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Förderpreis: wildewaldwelt.de –
Jugendhilfe erlebt, begreift, packt an!

Projektträger: Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe e.V. (BVkE); Website: www.wildewaldwelt.de

Wildewaldwelt.de; Foto: Johannes von Stemm

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Mit Kopf, Herz und Hand für die Natur

Naturschutz und Soziales verknüpfen – diese Idee soll im Gebiet des Rohrhardsbergs (www.rohrhardsberg-life.de/) in der Region Schonach im Mittleren Schwarzwald umgesetzt werden. Bei dem Projekt arbeiten Fachleute aus der Jugendhilfe Hand in Hand mit Experten aus dem Forstbereich, um jungen Menschen den Lebensraum Wald, Maßnahmen zu seinem Schutz und berufliche Tätigkeitsfelder in diesem Umfeld zu vermitteln. 

Das Konzept widmet sich Jugendlichen aus Jugendhilfeeinrichtungen. Aus ganz Deutschland werden sozial benachteiligte Jugendliche an erlebnispädagogischen Projektwochen teilnehmen und dabei auf einem Waldzeltplatz wohnen. Hier entdecken sie den Lebensraum Wald mit Kopf (Wissensvermittlung), Herz (emotionale Erlebnisse) und Hand (tatkräftige Mitarbeit bei Naturschutzmaßnahmen). 

Unter der Anleitung von Forstexperten führen die Jugendlichen gemeinsam konkrete Forst- und Waldnaturschutzmaßnahmen durch. Der Bildungsansatz ist erlebnispädagogisch ausgerichtet und sorgt dafür, dass die Jugendlichen aktiv für die Natur tätig sind und für Naturschutzbelange sensibilisiert werden. 

Voneinander profitieren

Hier verbindet sich ein aktives Netzwerk aus Jugendhilfereinrichtungen mit Fachleuten aus dem Forst. Beide gemeinsam schaffen ein Naturbildungsprojekt, von dem alle Seiten gleichermaßen profitieren. Die Jugendlichen arbeiten aktiv für den Naturschutz und bekommen dabei auch wichtige Impulse und Perspektiven für ihre Zukunft. Die Auswahl der Projektpartner ist genau auf die Zielgruppe der Jugendlichen abgestimmt: Forstmitarbeiter und erfahrene Pädagogen führen die Jugendlichen gemeinsam an die Natur heran und schaffen Bewusstsein für ihre Schutzwürdigkeit. 

Die Schutzmaßnahmen knüpfen an das bestehende LIFE-Projekt an und dehnen dort angewandte Maßnahmen auf die wertvollen Naturlandschaften des Umfelds aus, was letztlich der gesamten Region zu Gute kommt. 

Innovatives Modell schafft neue Blickwinkel

Das Projekt ist ein Modellprojekt für die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Naturschutz. Häufig stehen sozial benachteiligte Jugendliche durch unangepasstes Verhalten im Fokus der Öffentlichkeit – mit diesem Projekt kann gezeigt werden, dass sie auch das Potenzial haben, Mitverantwortung zu übernehmen und Engagement zu zeigen.

Eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit wird das Projekt begleiten. Die positive Resonanz und Wertschätzung aus der Bevölkerung soll das Selbstwertgefühl der Jugendlichen stärken und sie über die Projektwochen hinaus motivieren, sich für die Natur zu engagieren. 

Während den Projektwochen erhalten sie intensive Einblicke in die „Grünen Berufe“ und lernen eine berufliche Option kennen, die ihnen trotz schwieriger Schulbiographie eine interessante Zukunftsperspektive eröffnet. Das Projekt wird Jugendliche aus ganz Deutschland erreichen und eine Vorbildfunktion übernehmen. Durch Fortbildungen zum Thema Waldpädagogik für die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie die Erstellung eines Leitfadens wird ein Nachahmungseffekt gefördert.

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Förderpreis: Gründung der 
Waldgenossenschaft Propsteierwald 

Projektträger: Gründungsgemeinschaft Waldgenossenschaft Propsteierwald, Eschweiler bei Aachen  

Camp Astrid im Propsteierwald bei Eschweiler; Foto: Marcus Gloger

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Filmbeitrag zum Preisträgerprojekt: 3sat nano, 17.11.2011

Eine Genossenschaft für den Wald

Eine Waldgenossenschaft für die naturnahe Bewirtschaftung eines ehemaligen Truppenübungsplatzes – diese Idee ist neu in Deutschland und soll dem Naturschutz, der nachhaltigen Bewirtschaftung und der Erholung für die Bevölkerung gleichermaßen zugute kommen. 

Eine Genossenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass nicht der Kapitalanteil, sondern das demokratische Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“ entscheidet. Auf diese Weise werden Engagement und Selbstverantwortung gefördert. Bürgerinnen und Bürger sollen zur Zeichnung von Genossenschaftsanteilen gewonnen werden, um mit einem Teil ihres Kapitals das Waldgebiet Propsteierwald als Naturraum für die biologische Vielfalt zu erhalten und als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung aus Eschweiler und den umliegenden Gemeinden zu erschließen. Die Sicherung und der Ausbau der biologischen Vielfalt sind dabei oberstes Ziel.

Vom Truppenübungsplatz zur nachhaltigen Nutzung

Die einstigen Flächen des Truppenübungsplatzes waren 60 Jahre abgeschottet und sollen von der zu gründenden Genossenschaft künftig gemeinschaftlich ökologisch bewirtschaftet werden. Damit soll gezeigt werden, dass Schutz und Nutzung in Übereinstimmung gebracht werden können. 

Eine Biotopkartierung hat bereits die Lebensräume erfasst und bewertet. Die Flächen sind derzeit noch im Besitz der Bundesrepublik Deutschland, sollen aber von der Stadt Eschweiler und der Waldgenossenschaft gemeinschaftlich erworben werden.

Von Bürgern für Bürger

Das Projekt wurde von Bürgerinnen und Bürgern aus Eschweiler entwickelt und auf den Weg gebracht. Es verbindet eine große Anzahl verschiedener Akteursgruppen auf unterschiedlichen Ebenen und fordert nicht zuletzt die aktive Teilnahme und Selbstverantwortung. 

Eine Vielzahl von Partner beteiligt sich an der Entwicklung von Nachhaltigkeitszielen und der Ausarbeitung eines Bildungskonzepts für die Entwicklung eines außerschulischen Lernorts im Wald. So trägt das Projekt auch dazu bei, das Naturbewusstsein für dieses Waldgebiet auf lokaler und regionaler Ebene zu erhöhen. 

Das Projekt hat bundesweit Vorbildcharakter für gemeinschaftliches und gleichberechtigtes bürgerschaftliches Engagement zum Schutz unserer Wälder.

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Ehrenpreis: Dr. Georg Sperber

Dr. Georg Sperber, Ehrenpreis des Deutschen Naturschutzes 2011; Foto: privat

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Der Forstdirektor a.D. Dr. Georg Sperber erhält den Ehrenpreis des Deutschen Naturschutzes 2011. Die Jury des Deutschen Naturschutzpreises würdigt damit sein langjähriges herausragendes persönliches Engagement für den Waldnaturschutz in Deutschland. Der Preis steht 2011, im Internationalen Jahr der Wälder, unter dem Motto „Zukunft Wald – schützen, erleben, nutzen“.

Vorreiter für Nachhaltige Forstwirtschaft

Sperber hat bereits früh eine Vorreiterrolle für eine nachhaltige naturverträgliche Waldwirtschaft eingenommen und sich dabei oftmals gegen vorherrschende Ansichten und gängige Forstpraktiken gestellt. Mit viel Ausdauer und Überzeugung trug er entscheidend dazu bei, ein neues Bewusstsein für den Wald zu schaffen. Seine Aktivitäten in seinem langjährigen Forstamt im Steigerwald erwarben bundesweite Aufmerksamkeit und Anerkennung. „Sein“ Wald ist heute eine forstlich-naturschützerische Vorbildfläche für viele Forstleute, Studenten und Naturinteressierte. „Der Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume“ - diesen Spruch hat er geprägt und konsequent in seinen Aktivitäten umgesetzt. 

Mitbegründer des Nationalparks Bayerischer Wald

Sperber wurde 1933 in Nürnberg geboren. Nach seinem Studium der Forstwissenschaften und anschließender Promotion legte er die Große Forstliche Staatsprüfung in der bayerischen Staatsforstverwaltung als Jahrgangsbester ab. Im Anschluss arbeitete er in verschiedenen Positionen im Bayerischen Staatsforstdienst und war von 1969-1972 als stellvertretender Leiter maßgeblich am Aufbau des ersten deutschen Nationalparks im Bayerischen Wald beteiligt. 

Zusammen mit Hans Bibelriether setzte er gegen große Widerstände aus dem Forst- und Landwirtschaftsministerium und starken Bedenken von Seiten der Bevölkerung Konzepte für eine Schaffung von Urwäldern in Deutschland in die Tat um. Heute gilt der Bayerische Wald als das „Grüne Dach Europas“ und selbst die vom Borkenkäfer befallenen Fichtenflächen zeigen die enorme Regenerationskraft des Waldes und entwickeln sich zu dem einstmals visionären Urwald.

Engagement für die Rotbuchen  im Steigerwald

Von 1972 bis zu seiner Pensionierung 1998 leitete Sperber – zuletzt als Forstdirektor – das Forstamt Ebrach. Im Steigerwald bewies der Forstmann, dass sich Naturschutz und ein nachhaltig genutzter Wald verbinden können. Durch die nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege konnte der Rückgang der Buche gestoppt und der Aufbau eines gesunden Mischwalds gefördert werden. Mit unterschiedlichen Maßnahmen zur Naturverjüngung förderte er die Artenvielfalt im Wald und schaffte mit großem Einsatz eine Bewusstseinsbildung und Akzeptanz bei der Bevölkerung. 

Seit 1998 befindet er sich im sehr aktiven Ruhestand und engagiert sich weiterhin auf vielfältige Weise für den deutschen, aber auch den internationalen Wald. In seinem alten Wirkungskreis Steigerwald setzt sich Sperber für die Umwidmung von ca. 10.000 Hektar des dortigen Naturparks in einen Nationalpark ein. Auf internationaler Ebene vertrat Sperber Deutschland als „Klimazeuge“ im Rahmen des gleichnamigen Projekts des World Wide Fund for Nature und berichtete in Brüssel vor Länderabgeordneten und Mitgliedern des Parlaments über seine Erfahrungen mit dem Klimawandel. 

Veröffentlichungen

Auch als Buchautor bereichert Sperber das Wissen um den Wald und fördert das Bewusstsein für seinen Schutz. Neben einer Vielzahl von forst-waldbaulichen, jagdlichen und naturschutzfachlichen Publikationen verfasste er in der Diskussion um das Waldsterben zusammen mit zwei Co-Autoren 1984 den Bericht „Die Lage des Waldes“, der zeitweise auf der Bestsellerliste des Spiegels stand. Seine jüngsten Buchveröffentlichungen sind die Bildtextbände „Urwälder Deutschlands“ und „Frankens Naturerbe Buchenwälder Steigerwald“.

Auszeichnungen

Das Wirken von Dr. Georg Sperber wurde bereits mit einer Vielzahl von Ehrungen und Preisen anerkannt, darunter der Lorenz-Wappes-Preis des Deutschen Forstvereins, der Naturschutz-Preis der Karl-und-Emmy-Kaus Stiftung, der Kulturpreis des Steigerwald-Clubs sowie die Karl-Gayer-Medaille des Bund Naturschutz, Bayern.

Interview

In einem Interview des Verbands Weihenstephaner Forst -und Ingenieursleute wurde Sperber anlässlich seiner Pensionierung gefragt, ob sich sein Einsatz gelohnt habe: „Ich bin ein ungeduldiger Mensch, der anspruchsvolle Forderungen sich und seiner Mitwelt zumutet. Doch vergleiche ich die Ausgangslage der 1970er Jahre, die Vorstellungen unserer Gegenspielerin in der Auseinandersetzung um das Nationalpark-Konzept, deren Einschätzung von uns „Naturgemäßen“ als „forstliche Zeugen Jehovas“ (...), die traditionellen Schwierigkeiten der Naturschützer im Umgang mit unseren Wäldern und gar das verkrampfte Festhalten der großen Jägerorganisationen an ihren vermeintlich ewigen Werten, dann, ja dann haben sich die Dinge doch erstaunlich positiv entwickelt für mich, meine Mitstreiter und Weggefährten“.

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