Preisträger-Videos 2013 online

Die Filme der Förderpreisträger-Projekte „Ungehindert engagiert“, „Tauchen für den Naturschutz“ und „Trave-Kids auf Flusssafari“ sind fertig! |Zur Meldung >>

Deutscher Naturschutzpreis 2013 verliehen

Förderpreise gehen an Projekte aus Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Auenexperte Prof. Emil Dister erhält den Ehrenpreis. Online-Abstimmung kürt 20 Gewinner mit dem Bürgerpreis. |Zur Meldung >>

Bewerbungsphase 2013 beendet

Die Bewerbungsfrist für den Deutschen Naturschutzpreis ist beendet. Die Preisverleihung findet am 30. August 2013 in Bonn statt. |Zur Meldung >>

Bürgerpreis 2013 - So haben Sie entschieden: zu den Ergebnissen
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Kategorie Ehrenpreis

Die Preisträger 2013

Projekt Tauchen für den Naturschutz, NABU Gransee
Projekt Tauchen für den Naturschutz, NABU Gransee
Projekt Trave-Kids auf Flusssafari, NABU Reinfeld-Nordstormarn
Projekt Trave-Kids auf Flusssafari, NABU Reinfeld-Nordstormarn
Projekt Ungehindert engagiert, EUROPARC Deutschland
Projekt Ungehindert engagiert, EUROPARC Deutschland
Die drei Bürgerpreisprojekte mit den meisten Stimmen
Die drei Bürgerpreisprojekte mit den meisten Stimmen
Prof. Dr. Emil Dister erhält den Ehrenpreis
Prof. Dr. Emil Dister erhält den Ehrenpreis

 

Förderpreis: Ungehindert engagiert

Menschen mit geistiger Behinderung entdecken und erhalten den Lebensraum Wasser

Projektträger: EUROPARC Deutschland e.V.

Förderpreis: Ungehindert engagiert, Foto: EUROPARC Deutschland e.V.

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Menschen mit geistiger Behinderung im Ehrenamt

Rund 400.000 Menschen mit geistiger Behinderung leben in Deutschland. Für sie gibt es bisher nur sehr wenige Angebote, sich im Bereich Naturschutz ehrenamtlich zu engagieren und damit auch für andere als Vorbild zu wirken. Mit dem Projekt „Ungehindert engagiert: Menschen mit geistiger Behinderung entdecken, erleben und erhalten den Lebensraum Wasser“ will der Dachverband der Nationalen Naturlandschaften (Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate), EUROPARC Deutschland, neue Wege beschreiten. In Kooperation mit Einrichtungen der Lebenshilfe und der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel sollen zielgruppengerechte Lern- und praktische Einsatzmöglichkeiten rund um das Thema Schutz von Wasserlebensräumen geschaffen werden. Im Rahmen des Projektes sind verschiedene Maßnahmenpakete geplant. Sie umfassen das Erstellen von Lernmaterialien, spezielle Trainings und Freiwilligeneinsätze für Menschen mit geistiger Behinderung.

 

Einsätze in Schutzgebieten

Die Lernmaterialien in Form von Themenheften greifen inhaltlich die Bereiche „Teich & See“, „Bach, Graben & Fluss“ sowie „Meer & Küste“ auf. Die Hefte sind gezielt in leicht verständlicher Sprache gehalten und liefern Wissenswertes über charakteristische Tiere und Pflanzen, Beobachtungshinweise, Gefährdungsursachen und Tipps für das eigene Verhalten zum Schutz der Wasserlebensräume. Bei den geplanten Trainings reisen jeweils Kleingruppen von Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Betreuer in eine der beteiligten Nationalen Naturlandschaften, um dort Wasserlebensräume zu erleben und zu erfahren. Unter anderem lernen sie dabei Methoden kennen, um charakteristische Tiere und Pflanzen vor Ort zu entdecken und zu bestimmen. Die Freiwilligenprojekte wiederum umfassen mehrtägige Einsätze in Schutzgebieten. Dort werden die interessierten Teilnehmer mit geistiger Behinderung unter fachkundiger Begleitung naturschützerische Aufgaben übernehmen – von der Reinigung von Fischtreppen über das Anbringen von Nisthilfen für Wasservögel bis hin zur Bekämpfung von Neophyten (standortfremde Pflanzen).


Inklusion

An dem auf zwei Jahre angelegten Projekt beteiligen sich als Partner explizit vier Nationale Naturlandschaften: der Naturpark Drömling, der Nationalpark Harz, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Sie kooperieren bei den einzelnen Trainings- und Freiwilligenangeboten jeweils mit einer Lebenshilfe- bzw. Bethel-Einrichtung. Diese definieren wiederum die Anforderungen an die Lernmaterialien und Trainings aus der Sicht von Menschen mit geistiger Behinderung. Im Sinne der sogenannten Inklusion zielt das Projekt auch darauf, dass sich bei den praktischen Einsätzen Menschen ohne Behinderungen gemeinsam mit den Menschen mit geistiger Behinderung engagieren. Durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit sollen Multiplikations- und Nachahmungseffekte erreicht werden.

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Förderpreis: Tauchen für den Naturschutz

Eine strategische Allianz hilft beim Schutz von Klarwasserseen

Projektträger: NABU Regionalverband Gransee

Förderpreis: Tauchen für den Naturschutz. Foto: NABU Gransee, Silke Oldorff

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Klares Wasser als Qualitätsmerkmal

In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gibt es viele sogenannte Klarwasserseen, die von Natur aus nährstoffarm sind. Sie gehören zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen Deutschlands, weil sie heute häufig unter einer Überversorgung mit Nährstoffen leiden. Durch Veränderungen der chemischen Eigenschaften nimmt die Transparenz des Wassers ab und lebensraumtypische Gemeinschaften von Pflanzen- und Tierarten verschwinden. Das ist nicht nur aus der Sicht des Naturschutzes eine bedenkliche Entwicklung. Auch für Sporttaucher stellt klares Wasser in den Seen eine besondere Qualität dar, deren Erhalt in ihrem Interesse liegt.

Das Projekt „Tauchen für den Naturschutz“ zielt darauf ab, eine strategische Allianz zwischen dem Naturschutz und Sporttauchern in Brandenburg und darüber hinaus aufzubauen, um einen verbesserten Schutz der Klarwasserseen zu erreichen. Mit einem Schulungsprogramm „naturkundliches Tauchen“ sollen interessierte Sporttaucher dazu befähigt werden, eigenständig den Zustand der Unterwasservegetation eines Sees einzuschätzen und darüber zu berichten. Damit können sie einen Beitrag zum besseren Monitoring der Seen leisten. Auf Basis der von den geschulten Sporttauchern gesammelten Daten soll eine Art Frühwarnsystem aufgebaut werden, das schneller erkennen lässt, ob und wo Bedarf für zielgerichtete Schutzmaßnahmen für die Gewässer besteht. Zugleich werden die Taucher ihrerseits dazu angeregt, sich mit der ökologischen Qualität ihrer Tauchgewässer auseinanderzusetzen. Auf diese Weise werden sie für den Naturschutz sensibilisiert und so zu wertvollen Multiplikatoren.

 

Naturkundliches Tauchen

Das Vorhaben baut auf einem kleineren Vorläuferprojekt auf: Seit 2007 wird im Gebiet des Stechlinsees vom NABU in Kooperation mit örtlichen Tauchsportverbänden der Gewässerzustand dokumentiert. Auf Basis der dort gewonnenen Erfahrungen soll ein größeres Netzwerk „Tauchsport und Seenschutz Mecklenburgische Seenplatte“ zwischen Sporttauchern und Naturschützern auch in weiteren Regionen Nordbrandenburgs und dem Süden Mecklenburg-Vorpommerns aufgebaut werden. Es geht um rund 2000 Hektar Gewässerfläche. Zugleich möchte das Projekt für eine bundesweite Kooperation von Tauchsport und Naturschutz werben.

Im Rahmen des Projektes sollen die erforderlichen Lehrinhalte für ein Schulungsprogramm „naturkundliches Tauchen“ ausgearbeitet und wenn möglich sogar als brevetierter Kurs durch den Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) anerkannt werden. Damit die so ausgebildeten Taucher auf einfache Weise ihre Unterwasser-Naturbeobachtungen festhalten können, sollen für Internetseiten wie www.tauchseen-portal.de und www.naturgucker.de angepasste Eingabemasken entwickelt werden. Die Tauchbasis in Neuglobsow wird zu einer  Begegnungsstätte zwischen Sporttauchern und Naturschützern aufgewertet, in der auch die Schulungen stattfinden. Zudem ist die Veröffentlichung eines Buches als Handlungsanleitung zum naturkundlichen Tauchen geplant. Es soll die Grundlage bieten, auf der auch in anderen Regionen Deutschlands ähnliche Initiativen von Naturschützern und Tauchsportlern entstehen können.

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Förderpreis: Trave-Kids auf Flusssafari

Ein Filmprojekt informiert über den Fluss Trave und seine Schutzbedürftigkeit

Projektträger: NABU Reinfeld-Nordstormarn
Webseite: www.nabu-reinfeld.de

Förderpreis: Trave-Kids auf Flusssafari, Foto: NABU Reinfeld-Nordstormarn

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Episodenfilm

Die Trave ist der zweitlängste Fluss Schleswig-Holsteins. Über 120 Kilometer fließt sie in einem großen Bogen von ihrer Quelle in Gießelrade bis nach Travemünde, wo sie die Ostsee erreicht. Für viele Menschen ist der Fluss ein alltäglicher Begleiter, und doch wissen sie nur wenig über ihn, seine Herkunft, seine Geschichte und seine wichtige Rolle für Mensch und Natur.

Das Projekt „Trave-Kids auf Flusssafari“ soll das ändern. In einem selbstproduzierten, ca. 60-minütigen Film entdecken Jugendliche als Schauspieler die Trave. Angeleitet von Käpt’n Klabauter machen sie sich von Travemünde aus auf eine Reise, die sie in verschiedenen Episoden nicht nur bis an den Ursprung des Flusses führt, sondern auch in historische Zeiten. Auf spielerische und unterhaltsame Weise wird der Film Informationen über die Trave sowie die Bedeutung und die Empfindlichkeit des Lebensraumes vermitteln. Das Ziel ist es, neues Verständnis für Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen an der Trave zu schaffen.


Von Zaubermuscheln und Flussgeistern

Bei dem Film handelt es sich nicht um eine klassische Dokumentation, sondern einen vor allem an Jugendliche gerichteten Spielfilm im Stil von Serien wie „Löwenzahn“ oder „Willi will’s wissen“. Der Film soll Naturschutz-Inhalte ohne einen erhobenen Zeigefinger vermitteln. Die Produktion wird maßgeblich von Jugendlichen bestimmt, die dabei nicht nur als Protagonisten in verschiedenen Rollen vor der Kamera stehen. Sie werden auch zuvor in Kontakt mit Fachleuten und weiteren Akteuren passende Themen rund um die Trave recherchieren, entsprechende Szenen im Drehbuch schreiben, Kostüme besorgen und die geeigneten Drehorte entlang des Flusses erkunden.

Die jungen Schauspieler werden im Film unter anderem auf Angler, Muscheltaucher, Naturschutzgruppen, Klärwerksleiter, Biologen und Historiker treffen. Anschaulich erfahren sie immer neue spannende Hintergründe zur Trave. Die zugehörigen Naturerlebnisse werden zu Abenteuern vor der Haustür. Unterstützung bekommt die Bande der „Trave-Kids“ dabei von phantasievollen Persönlichkeiten: Käpt’n Klabauter berät und begleitet sie bei ihrer Fluss-Safari. Professor Time-TRAVE-ler kann mit seiner magischen Flussmuschel die Trave-Kids in historische Zeiten versetzen. Und Nabine, die Nabu-Sabine, weiß spannende Geschichten über den Lebensraum Trave zu erzählen.


Video-Blog und DVD

Schon während der Vorbereitungs- und Dreharbeiten werden die Beteiligten laufend in einem Internet-Tagebuch und einem Video-Blog über das Projekt berichten. So teilen sie ihre Erlebnisse und Entdeckungen mit der Öffentlichkeit. Der eigentliche Film wiederum wird professionell geschnitten und vertont und schließlich als DVD samt Booklet produziert. Geplant sind öffentliche Vorführungen samt Diskussionsveranstaltungen in den Gemeinden entlang der Drehorte. Schulen der Region sollen den Film kostenlos als Unterrichtsmaterial zum Thema Trave und Fließgewässer im Allgemeinen erhalten.

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Ehrenpreis: Prof. Dr. Emil Dister

Prof. Dr. Emil Dister, Foto: Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Der Leiter des WWF-Aueninstituts am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Prof. Dr. Emil Dister, erhält den Ehrenpreis des Deutschen Naturschutzpreises 2013. Die Jury des Deutschen Naturschutzpreises würdigt damit sein langjähriges, beharrliches Engagement für den Erhalt und die Renaturierung von Flussauen – nicht nur im Sinne des Naturschutzes, sondern auch als Basis eines ökologisch angepassten Hochwasserschutzes.

Emil Dister wurde 1949 in Herrnsheim bei Worms geboren. Er studierte Biologie und Geographie an den Universitäten Mainz und Göttingen. 1980 promovierte er in Göttingen zum Thema Auenökologie. Seit 1985 leitet er das WWF Auen-Institut in Rastatt, das seit 2010 eine Abteilung des KIT-Instituts für Geographie und Geoökologie ist. Das Auen-Institut befasst sich mit der Erforschung des Funktionierens verschiedener Auen-Ökosysteme. Der Fokus liegt auf der Verzahnung, Entwicklung und Renaturierung von Flussauen mit dem praktischen Hochwasserschutz.

Emil Dister gilt als ein sowohl in der Wissenschaft wie in der Politik gleichermaßen geschätzter Spezialist für die Ökologie von Auen- und Flusslandschaften. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Ziel, neue Wege aufzuzeigen, wie sich der Schutz des Menschen vor Hochwasser mit dem Schutz der Natur verbinden lässt. Dazu gehört beharrliche Überzeugungsarbeit bei Behörden und Politikern, „den Flüssen mehr Raum zu geben“.

Disters Konzepte finden sich beispielsweise im Integrierten Rheinprogramm wieder, das die Landesregierung von Baden-Württemberg 1988 beschloss. Darin werden Hochwasserschutz und Auenschutz gleichrangig verfolgt, indem Deiche am Rhein rückverlegt und Fließpolder aufgebaut werden. Diese Rückhaltebecken werden schon bei kleineren Hochwassern geflutet, um dort wieder Biotope zu schaffen, die von der natürlichen Wasserdynamik geprägt sind. Ähnliche Ansätze werden mittlerweile an anderen deutschen Flüssen wie Elbe und Oder aufgegriffen.

Bei den großen Hochwasserkatastrophen an Rhein (1993, 1995), Oder (1997), Elbe (2002, 2013) und Donau (2013) war Disters Expertise besonders gefragt. Trotz der stärkeren Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Folgen einer jahrhundertelang verkehrten Flusspolitik, sieht er die Hochwasserpolitik in Deutschland aber noch immer als allzu zögerlich an. Seiner Ansicht nach wird viel zu wenig Geld in die Renaturierung von Flüssen und Auen investiert. „Wer die Natur mit Füßen tritt, braucht verdammt hohe Gummistiefel“, sagt er.

Disters Ruf und Wirken reichen weit über Deutschland hinaus. Er hat mit zum Schutz der Donau- und March-Auen bei Wien (seit 1997 Nationalpark) beigetragen und war an weiteren konkreten Projekten in Ungarn, Rumänien und Frankreich beteiligt.Emil Dister ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er war Gründungsmitglied des BUND in Rheinland-Pfalz. 2008 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

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